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Angola. Wie schafft man es, dieses Land zu verstehen, das schwer zu fassen ist? Am ehesten durch Gespräche mit durchwegs wunderbaren Menschen, durch Reisen, die mich quer durch das siebentgrößte Land Afrikas führten. Aber auch durch ein paar nüchterne Fakten.

Über 3 Jahrhunderte war Angola portugiesische Kolonie. Der Befreiungs- mündete direkt in einen Bürgerkrieg, in dem die Befreiungsbewegungen, die heutigen Parteien, sich gegenseitig im Hinterland befochten. Das war in den 1970er Jahren. Der Villacher Journalist Fritz Sitte, ein Freund meines Vaters, machte mich durch seine Arbeit  zum ersten Mal auf  den „Flammenherd Angola“ aufmerksam. Sitte wurde zum Freund und quasi Europa-Pressesprecher des Rebellenführers Jonas Savimbi. Nachdem Savimbi auf der Flucht vor angolanischen Regierungstruppen erschossen wurde, kam Frieden ins Land. Das war im Jahr 2002. Heute und schon seit fast vier Jahrzehnten wird Angola von José  Eduardo dos Santos regiert, dessen Partei MPLA sich Savimbis UNITA als Opposition hält, quasi als Legitimation als Demokratie zu funktionieren. Dos Santos legte 2017, nach 38 Jahren sein Amt zurück. Seine Familie behält aber die Macht.

Reist man durch das Land, spürt man, dass Dos Santos‘ Partei, die MPLA, nach wie vor, omnipräsent ist. Parteiflaggen und das Konterfei dos Santos’ hängen bis hinein in die Lehmhütten und Wohnzimmer der einfachen Leute des Landes. Der Polizeiapparat reagierte auf Zuruf, der Regierung. Zumindest war es unter Dos Santos so. Joao Laurenco, der seit 2017 an der Macht ist, versucht aufzuräumen in Angola. Ob es bei der Absicht bleibt oder nicht, wird sich weisen.

Dos Santos’ älteste Tochter Isabel ist Afrikas erste Dollar-Milliardärin, reichste Frau des Kontinents, schwer gebildet, bildhübsch und potente Unternehmerin mit Beteiligungen in der Telekommunikation,  bei Medien, Finanzen, Energie, Wein, Erdöl, Zement, Diamanten.

Während die Regierung und ihr kleptokratisches Patronagenetzwerk große Teile der Erdöleinkünfte des Landes priviatisiert und Angola vor der Unabhängigkeit viertgrößter Diamentenförderer der Welt war,  gehören die Einwohner des Staates an der Westküste Afrikas zu den ärmsten der Welt.

Die Hoffnung liegt darin, dass diese Menschen Träume haben.

Obwohl das Land fast dreieinhalbmal größer ist, leben in Angola nur ein Drittel  so viele Menschen, wie in Deutschland.

Das sind immer noch fast  25 Millionen. 25 Millionen Träume…